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Orlando Nuñez oder Die Firma verzeiht einen Augenblick des Wahnsinns

Profil

Autoren Rodolfo Santana (1944-2012)
Damen 1
Herren 1
Übersetzer Daniel Karasek 
Bereich Sprechtheater
Genre Schauspiel

Synopse

Orlando Nuñez hat mit ansehen müssen, wie einem jungen Arbeiter in seinem Betrieb, dem er seit über dreißig Jahren angehört, die Hand abgequetscht wurde. Nuñez hat danach wie ein Wahnsinniger getobt, mit dem Hammer auf die Maschinen eingeschlagen und die Firma verflucht, aber auch politische Parolen gebrüllt. Für die Psychologin – vom Betrieb verordnet – sind Motive und Hintergründe solchen Verhaltens plausibel, denn: soziale Ungerechtigkeit, Elend und Not des Orlando Nuñez sind Grund genug zur Empörung und zum Hass gegen diese Gesellschaft. Aber Orlando versichert, mit Politik nichts zu schaffen zu haben, er interessiere sich nicht für Parteien und Gewerkschaften und könne sich seinen Ausbruch nicht erklären. Doch die im Stück vorgeführten Stationen des Orlando Nuñez lassen diese Versicherung zweifelhaft erscheinen … Vielleicht ist sein früh zu Tode gekommener Sohn doch sein Vorbild? Vielleicht glaubt Orlando selbst nicht daran, dass sich menschliches Handeln vom sozialen und politischen Kontext abstrahieren lässt?

Der neoliberale Kapitalismus ist in Europa sehr spät entdeckt – und, vollumfänglich, etwas später praktiziert worden als auf anderen Kontinenten. Die USA haben in den 70er Jahren alles getan, um jede Version eines „embedded“ Kapitalismus in Südamerika im Keim zu ersticken. Henry Kissinger nimmt im 21. Jahrhundert kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, die Ursachen für den gewaltsamen Umsturz in Chile und, im Zusammenhang damit, den Tod Salvador Allendes (1973) zu erläutern. Wie aber gelingt es diesem Kapitalismus, Menschen gefügig zu machen? Innerbetriebliches Coaching, das vorgeblich vertraulich verläuft und angeblich keine Kapitalinteressen verfolgt? In Santanas Stück wird erlebbar, wie ein neoliberal informierter Konzern Maschinenstürmer mitsamt lebender und toter Familienmitglieder integriert – ergo: die Revolution und ihre Kinder frisst.

Rodolfo Santanas