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Die schwarzen Jahre

Profil

Autorin Abdelhak Serhane
Damen variabel
Herren variabel
Übersetzer Stephan Egghart
Bereich Sprechtheater
Genre Schauspiel

Synopse

Der Roman folgt einem Ich-Erzähler, der seine Kindheit und Jugend in einem marokkanischen Dorf während der Zeit des französischen Protektorats und der nachfolgenden politischen Umbrüche schildert. Die Erzählung setzt in einer Welt ein, die von Armut, religiöser Ordnung, patriarchalen Strukturen und kolonialer Unterdrückung geprägt ist.

Ein wiederkehrendes Motiv ist die Gewalt der Besatzung: nächtliche Razzien, Ausgangssperren, willkürliche Verhaftungen und öffentliche Demütigungen prägen den Alltag. Der Erzähler erlebt als Kind, wie Freunde und Dorfbewohner von Soldaten misshandelt oder verschleppt werden. Eine prägende Episode ist die brutale Festnahme des Cousins Moha Ou Hida, bei der der Erzähler selbst misshandelt wird und erstmals unmittelbar körperliche Gewalt durch die Kolonialmacht erfährt.

Parallel dazu beschreibt der Roman die Spaltung der Bildungswelten. Auf der einen Seite steht die Koranschule (Msid) mit Auswendiglernen, körperlicher Züchtigung und religiöser Disziplin. Auf der anderen Seite tritt die französische Volksschule mit Lesen, Schreiben, Grammatik, Geschichte und einer neuen Vorstellung von Denken und Verstehen. Der Erzähler entwickelt eine leidenschaftliche Beziehung zur französischen Sprache, die ihm geistige Freiheit, Vorstellungskraft und eine neue Weltsicht eröffnet.

Diese neue Welt wird personifiziert in der französischen Lehrerin, die für den Erzähler zur Verkörperung dessen wird, was im Dorf als „Zivilisation“ bezeichnet wird. Seine kindliche, idealisierte Liebe zu ihr steht im scharfen Kontrast zur dörflichen Moral, zur religiösen Autorität des Fqih Si Hamza und zur Skepsis der Erwachsenen gegenüber allem Fremden. Der Begriff „Zivilisation“ wird zum umkämpften Symbol zwischen Verheißung und Bedrohung.

Der Roman zeigt, wie der Erzähler zunehmend zwischen Loyalität zur Herkunft und Sehnsucht nach geistiger Freiheit zerrieben wird. Die Gewalt der Kolonialmacht, die Anpassung vieler Dorfbewohner, der Verrat Einzelner und die zunehmende Politisierung der Umgebung prägen seine Entwicklung. Heldengeschichten von Widerstandskämpfern stehen neben bitteren Erfahrungen von Verrat, Angst und Resignation.

Im weiteren Verlauf weitet sich der Blick vom Dorf auf das Land. Der Erzähler erkennt, dass die Hoffnung auf Befreiung nicht automatisch zu Gerechtigkeit führt. Koloniale Unterdrückung, religiöser Dogmatismus und spätere politische Repressionen bilden eine Kontinuität der Gewalt. Die „schwarzen Jahre“ bezeichnen dabei nicht nur eine historische Phase, sondern einen Zustand kollektiver Ernüchterung, in dem Ideale, Bildung und Freiheit immer wieder verraten werden.

Der Roman endet ohne versöhnlichen Abschluss. Die erzählte Entwicklung führt nicht zu Erlösung, sondern zu einem schmerzhaften Bewusstsein über Geschichte, Macht und Identität. Bildung und Sprache bleiben Rettungsanker, aber keine Garantie für Freiheit.