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Der Ausgräber

Profil

Autor Mohammed Khaïr-Eddine
Damen variabel
Herren variabel
Übersetzer Steffen Heieck
Bereich Sprechtheater
Genre Schauspiel

Synopse

„Ganze Steinkohlejahrhunderte habe ich aus der Erde geholt. Die Arbeit putzte mich heraus, ich war ein Möbelstück von Großbürgern geworden. Ich nehme an, dass die Regierenden der Industrieländer im Augenblick andere Möbel an meiner Stelle einsetzen … Ich war Berber und bin es nicht mehr. … Ich bin inmitten von Kaktusblüten geboren. Denselben, die von Club Méditerranée-Prospekten gepriesen werden. Den … Arbeiter will man noch nicht loswerden! Sie ertränken ihn in der Sonne, der schönen lausigen Sonne der Strände des Südens. Sie richten ihn hin mit seinen Ersparnissen, indem sie ihn in sogenannten „gemäßigten“ Regionen herumwandern lassen, deren Völker werden jedoch an der Leine geführt oder an die morschen Planken von Maximen genagelt, die der Westen selbst auf seinem eigenen Floß nicht anerkennt.“

Sowohl im französischen Original als auch in der vorliegenden Übersetzung wird das N-Wort ausbuchstabiert und kommt auch in Komposita vor. Mutmaßlich spiegelt der Erzähler in dieser Wortwahl den Rassismus europäischer Gesellschaften und ihrer Kolonialgeschichte wieder. Auch das am „eigenen Leibe“ des Erzählers ausgemalte Bild eines „Kannibalen“ wirft dem „Völkerschau“-Blick eines kolonialistischen Publikums jene Bilder zum Fraß vor, die es sich selbst jahrhundertelang serviert hat.
Inwieweit hierin auch eine Abgrenzungsrhetorik gegenüber Menschen aus Subsahara-Regionen zum Ausdruck kommt und nicht restlos durch die „Guerilla-Linguistik“ (Lynne Rogers nach Julia Kristeva*) des Autors gebrochen wird, bleibt der kritischen Lektüre einer maximal diversen Leser*innenschaft und kritischen Performer*innen überlassen.
*Lynne Rogers. The Guerilla Linguistics of Mohammed Khaïr-Eddine / In: John C. Hawley (Ed.).
Writing the Nation – Self and Country in the Post-Colonial Imagination: Amsterdam – Atlanta 1996