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Rachid Boudjedra

Rachid Boudjedra (*1941) gehört seit den 1970er Jahren zu den prägenden Stimmen post-kolonialer Maghreb-Literaturen. Nach „Die Zerfaserung“ war „Die Auflösung“ der zweite Roman, den der Autor zunächst in arabischer Sprache verfasste – nicht in französischer Sprache, der Sprache einer Kolonialmacht. Boudjedra schreibt mit und zwischen den Sprachen. In Algerien stieß seine Kritik an Patriarchat, fundamentalistischem Islam und Heiligenlegenden algerischer Autonomie zunächst „nur“ auf Ablehnung und brachte ihm Zensur ein, bevor „Prinzip Hass – Pamphlet gegen den Fundamentalismus im Maghreb“ (Éditions Denoël Paris 1992/Verlag Donata Kinzelbach Mainz 1993) lebensgefährlich für ihn wurde.

Die Geschichte kolonialistischer Gewalt, wie sie Frankreich und andere Kolonialmächte nicht zuletzt im Algerienkrieg ab 1954 verübten, ist seinem Werk eingeschrieben. François Mitterrand, in der Bundesrepublik bis heute auf seine Rolle in der französisch-deutschen Versöhnung reduziert, tritt bei Boudjedra (im oben zitierten Manifest) am Festtag Allerheiligen 1954 mit diesen Sätzen in Erscheinung: “Es bedarf gnadenloser Unterdrückung! Meine Herren, Frankreich von Flandern bis zum Kongo!” Die Vollstreckung von Todesurteilen gegenüber algerischen Widerstandskämpfern wäre ohne Mitterand in seiner Rolle als Innen- bzw. Justizminister nicht möglich gewesen. Die Bewunderung Mitterands für Marschall Pétain – und damit die Kollaboration mit den Nationalsozialisten durch das Vichy-Regime – ist bei der Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich in der Kohl-Mitterand-Ära ebenso unter den Tisch gefallen wie seine Rolle im Rahmen des kolonialistischen Mord- und Folter-Regimes in Algerien. Rachid Boudjedras Geschichte/n der Gewalt machen nirgendwo opportunistisch Halt: Neben dem Kolonialismus des Westens sind der islamistische Terror, der Opportunismus von Intellektuellen in Algerien und die westliche Ideologie von Konsumismus und Opportunismus Gegenstände seiner Kritik im Manifest.

Werke

Die Auflösung
Die Unordnung der Dinge
Die Zerfaserung