Die Auflösung
Profil
Synopse
Ein Ich-Erzähler erwacht in einem Zustand körperlicher und geistiger Erschöpfung. Der Krieg ist seit Jahren vorbei, doch seine Wirkungen sind allgegenwärtig. Auslöser seiner inneren Krise ist ein Brief des Onkels: Die jüdische Geliebte seines Vaters liegt im Sterben. Obwohl sie zum Islam konvertiert sein soll und zwei Kinder mit dem Vater hat, existiert weder eine Heiratsurkunde noch ein formaler Nachweis der Konversion. Die Frage, wo sie begraben werden darf, wird zur existenziellen Zumutung.
Der Erzähler wird in einen Strudel aus Erinnerungen gezogen: an den tyrannischen Vater mit seinen zahlreichen Frauen, an die schweigende Mutter, an die brutale Tante Fatma, an den früh verstorbenen Bruder Abdallah. Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen. Der Erzähler erinnert sich an Beerdigungen, Familienrituale, religiöse Heuchelei, sexuelle Gewalt, patriarchale Willkür.
Die Suche nach einer administrativen Lösung für die Bestattung der sterbenden Frau verwandelt sich in eine schonungslose Abrechnung mit Familie, Religion und Herkunft. Der Erzähler schwankt zwischen Wut, Schuld, Ekel und Selbstverachtung. Immer wieder kehrt er zum Wunsch zurück, den Vater zu töten, ohne ihn je zu vollziehen.
Am Ende steht keine Lösung. Die religiöse und familiäre Ordnung bleibt intakt, der Erzähler jedoch innerlich zerrissen. Die Vergangenheit lässt sich nicht klären, nur endlos neu durchleiden. Die Auflösung ist kein Abschluss, sondern ein Zustand.
