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Die Unordnung der Dinge

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Autor Rachid Boudjedra
Damen variabel
Herren variabel
Übersetzerin Eva Moldenhauer
Bereich Sprechtheater
Genre Schauspiel

Synopse

Der Roman setzt mit einem Erdbeben in Orléanville (Algerien) ein, das eine Stadt verwüstet und zahllose Tote und Verletzte hinterlässt. Dieses reale Naturereignis bildet den äußeren Rahmen, innerhalb dessen der Erzähler eine Vielzahl von Beobachtungen, Erinnerungen und Wahrnehmungen entfaltet. Die Katastrophe legt nicht nur Häuser, Straßen und Körper frei, sondern auch die politischen, sozialen und moralischen Bruchlinien der Gesellschaft.

Der Text folgt keinem linearen Handlungsgang, sondern bewegt sich zwischen Momentaufnahmen der zerstörten Stadt, der Beschreibung von Krankenhäusern, Lazaretten, Leichenhallen und Hilfseinsätzen sowie Reflexionen über staatliche Ordnung, Militär, Bürokratie und Macht. Soldaten, Ärzte, Verwundete, Tote, Funktionäre und einfache Bewohner erscheinen weniger als individuelle Figuren denn als Teil eines anonymen, chaotischen Geschehens.

Der Erzähler beschreibt detailliert die Körper der Verletzten, den Geruch von Blut, Staub und Verwesung, das Durcheinander medizinischer Versorgung und administrativer Abläufe. Gleichzeitig richtet sich der Blick auf die offizielle Darstellung der Katastrophe, auf Statistiken, Presseberichte und staatliche Inszenierungen, die versuchen, dem Chaos eine Form und Bedeutung aufzuzwingen.

Immer wieder weitet sich die Wahrnehmung von der konkreten Katastrophe zur grundsätzlichen Betrachtung von Ordnung und Unordnung: Naturgewalt, koloniale Vergangenheit, militärische Disziplin, religiöse Rituale und staatliche Macht erscheinen als konkurrierende Systeme, die scheitern, sobald sie mit der Wirklichkeit des Leidens konfrontiert werden.

Der Roman endet ohne Auflösung im klassischen Sinn. Die Stadt bleibt gezeichnet, die Ordnung der Dinge dauerhaft erschüttert. Das Erdbeben erscheint weniger als Ausnahmezustand denn als Offenlegung eines bereits bestehenden Zerfalls, in dem menschliche Körper, gesellschaftliche Strukturen und politische Systeme gleichermaßen fragil sind.