Grünheide
Profil
Synopse
GRÜNHEIDE oder Die schier unglaubliche Begegnung Elon Musks mit dem Gestiefelten Kater und andere Merkwürdigkeiten
„Was soll ich sagen? Ja, so: Trotz der laufenden Bauarbeiten ist der Ausgang völlig offen.“
Eine Frau lebt mit ihrem Mann in einem kleinen Sommerhaus südlich von Berlin, am Rand eines Landschafts- und Wasserschutzgebiets in Grünheide. Seit der Wende gehört ihnen das einstige Wochenend-Paradies: ein Ort der Ruhe, der Fliederbüsche, der Spreeauen, der Vögel und der Erinnerungen. Ein Rückzugsort vor der Welt – bis ein „Zauberer“ aus Amerika auftaucht und ankündigt, genau hier eine „umweltschutzaktive“ Fabrik bauen zu wollen.
Wolfgang Spielvogel erzählt in „Grünheide“ von der Ansiedlung der Tesla-Gigafactory als modernes Märchen – mit einem gestiefelten Kater, einem Löwen als König der Tiere, einem listigen Fuchs und einem großsprecherischen Zauberer. Doch hinter der spielerischen Form verbirgt sich eine präzise Rekonstruktion politischer und administrativer Prozesse: die Ausgliederung von Waldflächen aus dem Schutzgebiet, Teilgenehmigungen vor Abschluss aller Verfahren, vorgezogene Rodungen, Umnutzungsanträge, gestrichene Kontrollrechte und eine Selbstüberwachung des Konzerns bei der Abwasserprüfung.
„Grünheide“ ist ein dokumentarisch grundiertes, satirisch gebrochenes Stationendrama über Fortschrittsglauben, Gesetzesdehnung und die normative Kraft des Faktischen. Es zeigt, wie ein lokales Paradies zum Schauplatz globaler Interessen wird – und wie sich eine Einzelne mit Leserbriefen, Gesprächen und Widerspruch gegen das Gefühl wehrt, im eigenen Land zur „niedlichen Person“ degradiert zu werden. Am Ende bleibt kein Märchensieg, sondern die Frage, was Wohlstand kostet – und wer ihn bezahlt.
