Rudolf Schaller
Rudolf Schaller (1891–1984) war Übersetzer, Journalist, Schriftsteller und Theaterkritiker. Nach einer Banklehre und Studien der Geisteswissenschaften arbeitete er viele Jahre als Redakteur und Kritiker. Seit 1951 widmete er sich als freischaffender Übersetzer vor allem der englischsprachigen Literatur.
Im Mittelpunkt seines Werks stehen die Übertragungen von zwanzig Dramen William Shakespeares. Dazu gehören die großen Tragödien „Hamlet“, „König Lear“, „Macbeth“ und „Othello“ ebenso wie Komödien und Historien. Seine langjährige Beschäftigung mit dem Theater verband Schaller mit einer intensiven Auseinandersetzung mit dem englischen Text und der Shakespeare-Forschung. Die in der DDR entstandenen Übersetzungen erschienen auch in westdeutschen Verlagen und fanden ihren Weg auf Bühnen beider deutscher Staaten.
Dass seine Übertragungen weiterhin künstlerische Anknüpfungspunkte bieten, zeigt die Inszenierung von „König Richard der Dritte“ am Schauspiel Stuttgart 2026. Regisseur Andreas Kriegenburg entschied sich für Schallers Übersetzung insbesondere wegen ihrer Musikalität, ihrer sprachlichen Bildkraft und ihres Umgangs mit der Versform.
Neben Shakespeare übersetzte Schaller unter anderem Werke von Daniel Defoe, Henry Fielding, Walter Scott und Robert Louis Stevenson. Für seine Arbeit erhielt er den Übersetzerpreis des DDR-Kulturministeriums und den F.-C.-Weiskopf-Preis.
