Lebendige Erinnerung an Ingeborg Drewitz

Gerade weil ich durch eigene Lebenserfahrungen viel Wirklichkeit kennengelernt habe,  konnte ich aus dem, was ich bei Ingeborg Drewitz gelesen habe, viel Wirklichkeit dazulernen.
Erich Fried in seiner Gedenkrede am 11. Januar 1987 bei einer Gedenkfeier für Ingeborg Drewitz in der Akademie der Künste, Berlin.
Zitiert nach: Ingeborg Drewitz/Uwe Schweikert (Hrsg.): „Die ganze Welt umwenden“ – Ein engagiertes Leben. claassen/Düsseldorf 1987

Ingeborg Drewitz (1923-1986), eine großartige Autorin von engagierter Prosa, Romanen, Erzählungen und Theaterstücken wie „Gestern war heute“ und „Das Gartenfest – eine deutsche Idylle“ verstarb am 26. November 1986 in Berlin.  Wer sich mit ihrer Dramatik beschäftigen möchte, die auch das smarte „Vergessen“ der Nazi-Diktatur in Deutschland in Szene setzt und ein BRD-Wirtschaftwunder porträtiert, das sich „ideologiefrei“ rentable Kontinuitäten zwischen Nazi-Diktatur und Unrechtsregimen der 70er/80er Jahre baut, schreibe gern an: carsten.jenss@pegasus-medienverlag.de
(Zum Bild oben links: 1999 wurde die Ingeborg-Drewitz-Allee in Berlin-Moabit eingeweiht. Sie erstreckt sich heute zwischen dem Bundesministerium des Innern, [für Bau und Heimat] und dem Kanzlergarten. 2021: Baumaßnahmen Bundesministerium/Kanzlergarten.)

Einen kleinen Eindruck von Ingeborg Drewitz‘ Autorschaft mag dieser Link vermitteln:

drewitz_ingeborg_26.11.2021

 

In würdigender Erinnerung an den Widerstandskämpfer Georg Elser, dessen Attentat auf Hitler im Bürgerbräukeller/München am 8. November 1939 an der ungewöhnlich frühzeitigen Abreise des „Führers“ scheiterte und in Würdigung des Elser-Denkzeichens von Ulrich Klages, das heute vor 10 Jahren in Berlin einer, hoffentlich, demokratischen Öffentlichkeit überantwortet wurde. Am 27.2.1982, vor bald vierzig Jahren, wurde am Schauspielhaus Bochum Peter-Paul Zahls „Johann Georg Elser – Ein deutsches Drama“ u.a. mit Martin Schwab, Gert Voss, Eleonore Zetsche, Gustav-Peter Wöhler, Johann Adam Oest und Ortrud Beginnen uraufgeführt. Ein Werk, mit dem Zahl auch Einspruch gegen die Kontinuität ungebrochener Nazi-Erinnerung im öffentlichen Raum („Denkmal“) erhob:

Johann Georg Elser musste seinen Anschlag auf Adolf Hitler und andere Vertreter der Nazi-Diktatur am 8. November 1939 stillschweigend ins Werk setzen. Und Peter-Paul Zahl verzichtet darauf, Elser eine Art „Monument“ zu errichten. Vielmehr erhält Elser Kontur durch Stille und Präzision seiner Tätigkeiten im Widerstand – seinen analytischen Blick auf den Alltag der Diktatur und seine stummen, detailliert in Szene gesetzten Nachtarbeiten zur Installierung des Sprengsatzes. Diese Stille seines Handelns steht im Kontrast zur omnipräsenten Propaganda des Nazi-Regimes. Elser und seine stille Arbeit des Widerstands sind im „deutschen Drama“ durch die präzise dokumentierten Vorbereitungen des Zweiten Weltkrieges und des „Euthanasie“-Projektes – der massenhaften Ermordung als „lebensunwert“ deklarierter Menschen – kontextualisiert. Widerstand gegen Rassismus und Antisemitismus ist vor allem durch ein Gewahrwerden von Kontext und konkreter Handlung erinnerbar – und praktizierbar. Nicht durch „Monumente“, wie sie oft angeblich „Großen“ errichtet worden sind und wogegen sich Peter-Paul Zahl konkret mit der „Heidenheimer Fassung“ seines Dramas (1984) richtete. Hier kontrastierte Peter-Paul Zahl den in Heidenheim seit 1961 mit einem Denkmal geehrten Nazi-Generalfeldmarschall Rommel auch auf der Bühne, vor Ort, mit dem Widerstand Johann Georg Elsers. Das „Denkzeichen“ für Johann Georg Elser in der Berliner Wilhelmstraße (vgl. Bild oben links) ist kein Sightseeing-Objekt „To Go“ und bietet keine Kulisse für Selfies. Ähnliches gilt auch für „Johann Georg Elser – Ein deutsches Drama“ …

 

 
 
 


John Berger und Nella Bielski: „Eine Frage der Geographie“

 

Am  5. November 2021 wäre John Berger, der 2017 verstorbene Autor, Kunsttheoretiker und Maler, 95 Jahre alt geworden.
Zusammen mit Nella Bielski hat Berger 1987 das Theaterstück „Eine Frage der Geographie“ verfasst – in Erinnerung an Jewgenija Semjonowna Ginsburg (1904-1977), die viele Jahre in den Gefängnissen der Sowjetunion hatte überleben müssen. John Berger rang zeitlebens um Alternativen zum Kapitalismus und zum Kunstmarkt der „westlichen“ Welt. Gleichzeitig wandte er sich früher als andere europäische Intellektuelle vom real existierenden „Kommunismus“ sowjetischer und insbesondere stalinistischer Prägung ab. Bielski und Berger siedeln das Werk im Juni/Juli/August 1952, zehn Monate vor Stalins Tod, in Magadan/Kolyma an. Inmitten einer unvorstellbar weiträumigen, zum Lagersystem („Gulag“) umfunktionierten Landschaft, beschränkt sich der Handlungsort auf Daschas Zimmer. Als „Mitglied einer Familie von Volksfeinden“ war Daria Petrowna Petrowa (Dascha) von 1937 bis 1947 inhaftiert gewesen. Ihren Mann musste sie seit 1937 für ein Opfer der Massen-Exekutionen halten. Sie fristet ihr Leben nun als Verbannte, unter permanenter Todesdrohung, in Magadan. In den Schulferien besucht ihr Sohn Sascha sie. Viele Fristen und Zeitmessinstrumente überlagern sich: das Ende der Ferien, der prekäre Gesundheitszustand Daschas, der immer wieder durch Messung des Blutdrucks kontrolliert wird, die abendliche Rückkehr (23 Uhr) ins Lager/Gefängnis. Das Gerücht, dass Stalin bald sterben könnte, darf nicht deutlich ausgesprochen werden, timbriert jedoch ein Sprechen zwischen Panik, Wille zum Epos, endgültiger Depression und Anflug von Hoffnung. Menschen erstarren immer wieder zum Tableau – wie für eine Abschiedsfotografie.

Das offizielle Ende der Sowjetunion jährt sich im Dezember  2021 zum 30. Mal: Rechtskräftig wurde es mit dem Vertrag von Minsk am 8. Dezember bzw. der Erklärung von Alma Ata am 21. Dezember 1991. Ernst Neiswestny schuf 1996 in Magadan mit „Maske der Trauer“ ein Denkmal für die Opfer des Gulag-Stalinismus in Magadan (vgl. Bild links oben; Wikipedia/Creative Commons: Johannes Rohr). Neiswestny war ein Künstler, dem John Berger im Januar 1962 in Moskau begegnet war und 1969 mit „Ernst Neizvestny and the Role of the Artist in the USSR“ eine Studie gewidmet hatte.

 
 

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AMERICAN SON von Christopher Demos-Brown in einer deutschen Übersetzung.

Frei zur DSE (Die deutsche Übersetzung liegt Anfang Oktober vor.)

Besetzung: Dame 1 | Herren 3

 

Synopsis: Das Stück spielt mitten in der Nacht auf einer Polizeiwache in Florida, wo eine Mutter nach ihrem vermissten jugendlichen Sohn sucht. Bald erscheint ihr Mann und der Abend gerät nach und nach außer Kontrolle.

Kendra und Scott sind kein gewöhnliches Paar. Sie lehrt Psychologie. Er ist FBI-Agent, der seine Marke stets vor sich her trägt. Ihr 18 Jahre alter Sohn Jamal besucht eine renommierte Privatschule und soll in Kürze  an die Militärakademie West Point wechseln. Als motivierendes Abschlussgeschenk hat er schon mal ein eigenes Auto bekommen – genau das Auto, dass ihn in dieser Nacht in Schwierigkeiten bringt. Denn im Moment ist Jamal abgetaucht, nicht zu erreichen und reagiert auf keine Nachrichten seiner Eltern. Auf der Suche nach ihrem Sohn sind die sich entfremdeten Eltern unterschiedlicher Hautfarbe mit ihren früheren Ehedifferenzen konfrontiert, die aus ihrer unterschiedlichen Herkunft und Lebenseinstellung resultieren. 

Verfilmung des Stückes auf Netflix.

Deutschsprachige Erstaufführung: „Willkommen im Hotel Mama“  2023 auf Tournee mit theaterlust_logo

Die Bühnenfassung nach der erfolgreichen französischen Kinokomödie von Héctor Cabello Reyes und Eric Lavaine. (UA 2018 in Paris) geht 2023 auf große Fahrt! Wir freuen uns darüber, dass ein wunderbares Kreativ-Team am Start ist! Sicher wird das Stück wesentlich kompikationsfreier heimisch auf den Bühnen als Stefanie (im Stück) bei ihrer Mutter:

Würden Sie mit vierzig wieder bei ihrer Mutter einziehen? Stefanie bleibt nichts anderes übrig: als arbeitslose Architektin, alleinerziehende Mutter ist sie zunächst bei Mama willkommen. Das Zusammenleben ist allerdings nicht nur harmonisch. Jede der beiden Frauen braucht Geduld um die eingefahrenen Gewohnheiten und Macken der anderen zu ertragen.

Die Mama ist mit 60 erfrischend vital und hat eine Affäre mit ihrem Nachbarn. Sie arrangiert ein Familientreffen um dies ihren Kindern mitzuteilen und anzukündigen, dass die beiden heiraten wollen. Bei dieser Gelegenheit verhält sie sich so unbeholfen, dass ihre Bemühungen von ihren Kindern als Beginn geistiger Verwirrung interpretiert werden. Die Kinder entdecken eine Mutter, die sie bisher nicht kannten.

 

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