Geboren 1936 in Wien als Kind einer Arbeiterfamilie. Studierte zunächst Grafik an der Akademie für Angewandte Kunst. Seit 1970 schreibt Nöstlinger vor allem Kinder- und Jugendbücher. Ihr umfangreiches Werk (weit über 100 veröffentlichte Bücher) wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, u.a. mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis, dem Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur und dem Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis. Christine Nöstlinger verstarb am 28 Juni 2018 in Wien.
Mit „Die Küche der Reichen“ von Vasıf Öngören (1938-1984) ist ein Werk zu entdecken, mit dem der Autor 1980 den Versuch unternahm, Menschen in der BRD näherzubringen, was 1971 beim Militärputsch in der Türkei geschehen war: Die Aufführungen fanden in West-Berlin abwechselnd in türkischer und deutscher Sprache statt. Öngören war, ähnlich wie Nâzım Hikmet („Menschenlandschaften“) in der Elterngeneration, ein Grenzgänger: Mit dem Militärputsch 1971 war das Ende für Öngörens Birlik Tiyatrosu (Kollektiv-Theater) in Ankara gekommen. Er selbst wurde aus politischen Gründen zu Haft und Verbannung nach Ost-Anatolien verurteilt und kam durch eine General-Amnestie 1974 frei. In West-Berlin führte Öngören, der in Ost-Berlin studiert hatte und dem Epischen Theater Bertolt Brechts verbunden war, das Kollektiv-Theater (Birlik Tiyatrosu) bis 1982 fort. Seine letzte Station sollte Amsterdam sein, wo er am 1. Mai 1984 verstarb. „Die Küche der Reichen“ ist ein Meilenstein in der Geschichte diversen, vielsprachigen Theaters in der Bundesrepublik.
Es lohnt sich, ein Stück wie „Die Küche der Reichen“ im Zusammenhang mit der Deutschland-Trilogie von Hans Günter Michelsen zu betrachten und die „Nebenfigur“ eines „Gastarbeiters“ in Michelsens „Alltag“ aus der Perspektive von Menschen wahrzunehmen, die aus der Türkei nach Deutschland kamen. Ein anderes Befremden über dieses Land geht mit dem Blick einer Journalistin einher, die ab 1946 die geschichtsvergessene Genese eines Wirtschaftswunderlandes begleitet: „Das Gartenfest oder Eine deutsche Idylle“ (Ingeborg Drewitz).
Leonie Ossowski gehörte zu den prägenden Stimmen der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur. Geboren 1925 in Ostpreußen, verarbeitete sie in ihrem Werk die Erfahrungen von Flucht, Vertreibung und Neuanfang mit großer sprachlicher Klarheit und moralischer Präzision. Ihr Schreiben verbindet eine nüchterne, genaue Beobachtung des Alltags mit einer tiefen humanistischen Haltung.
Besondere Bekanntheit erlangte Ossowski durch ihre Jugend- und Erwachsenenromane, in denen sie soziale Ausgrenzung, Schuld und Verantwortung ebenso eindringlich thematisiert wie das Erwachsenwerden unter widrigen Umständen. Werke wie Die große Flucht oder Stern ohne Himmel zählen zu den Klassikern der Nachkriegsliteratur und sind bis heute fester Bestandteil des literarischen Kanons und des Schulunterrichts. Ossowskis Werk steht für eine unpathetische, zugleich eindringliche Literatur, die historische Erfahrung und individuelle Schicksale untrennbar miteinander verknüpft.